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Donaueschingen Lebensretter mit kalter Schnauze

Der Aufener Thomas Stoll hat seine Golden-Retriever-Hündin mit einem Hundetrainer zum Diabetes-Warnhund ausgebildet.

Sprengstoff, Drogen, Schimmelpilze, Geld oder Fährten: Hundenasen entdecken viele Gerüche, die Menschen verborgen bleiben. Thomas Stoll, Präsident der Deutsch-Japanischen Gesellschaft und viele Jahrzehnte lang Lehrer an der Eichendorffschule, bildet mit professioneller Hilfe seine Golden-Retriever-Hündin „Baya“ zum Diabetes-Warnhund aus. Seit seinem zehnten Lebensjahr muss der Donaueschinger ständig seinen Blutzuckerspiegel überwachen. Seit kurzem hat er dabei einen Unterstützer mit kalter Schnauze.

Vor allem Nächte können für Diabetiker sehr gefährlich werden, weil sie die Unterzuckerung dann nicht bemerken. Thomas Stoll, Ehemann der verstorbenen Donaueschinger Gemeinderätin Brigitte Stoll, hat sich deshalb einen tierischen Partner ins Haus geholt. Auf Anraten der Donaueschinger Tierärztin Susanne Arui fiel seine Wahl auf einen Hund der Rasse Golden Retriever. Diese eigentlich zur Entenjagd gezüchteten Vierbeiner gelten als sehr verspielt und menschenfreundlich – beste Voraussetzungen, um sie quasi zu „Gesundheits-Rauchmeldern“ zu trainieren.

Thomas Stoll wandte sich an den Löffinger Hundetrainer Uwe Friedrich. Der frühere Polizei-Diensthundeführer konditionierte „Baya“ darauf, Unterzucker zu riechen und die Diagnose dann durch Kratzen mit der Pfote anzuzeigen. Wie er das gemacht hat? Zunächst musste sich Thomas Stoll im Zustand der Unterzuckerung mit einem Tupfer Schweißproben von Brust und Gesicht ziehen. Mit diesen hat Friedrich dann gearbeitet. Immer wenn „Baya“ den Geruch in einem mit Löchern versehenen Glas erkannte, betätigte der Hundetrainer einen Klicker, obendrein belohnte er „Baya“ mit Leckerlis. Was sich relativ einfach anhört, bedarf aber einer jahrelangen Erfahrung im Umgang mit Hunden. Zweimal schon hat „Baya“ ihr Herrchen aus dem Schlaf geholt und Unterzucker angezeigt: „Ich bin ganz stolz auf meinen Hund“, so Stoll. Der durfte ihn sogar zu einem längeren Krankenhausaufenthalt in einer Spezialklinik in Quakenbrück begleiten, wo Stoll neu eingestellt wurde. Er hatte die Friedfertigkeit und Sozialverträglichkeit seines vierbeinigen Lieblings unter anderem mit der Begleithundeprüfung nachgewiesen. Baya habe sich im Krankenhaus vorbildlich benommen und Stoll erzählt ganz fasziniert davon, dass Baya nur seinen Unterzucker roch, nicht den der anderen Diabetes-Patienten.

Mit ihren zweieinhalb Jahren ist „Baya“ längst nicht am Ende ihrer Studienzeit angelangt. Als nächstes will ihr Stoll beibringen, einen Notschalter selbstständig zu drücken, „falls ich mal ohnmächtig werde“. Rund 3000 Euro hat der Ex-Lehrer bislang in die Ausbildung seines Hundes investiert – und er bereut keinen Cent davon.


Riechzellen gleich millionenfach

Die Sendung:

Am Donnerstag, 17. Juli, werden die Anfänge von „Bayas“ Ausbildung zum Diabetes-Warnhund in der elften Folge der ARD-Sendung „Spürnase, Fährtensau & Co.“ dokumentiert. Beginn ist um 16.10 Uhr. In Folge 16 werden dann die Fortschritte gezeigt. Die Dreharbeiten an Stolls Wohnadresse in Aufen dauerten zwei Tage. „Baya hat sich toll angestellt und die vielen Wiederholungen haben ihr nichts ausgemacht“, lacht Thomas Stoll.

Uwe Friedrich:

Er betreibt in Löffingen das Hundezentrum Team Canin mit drei Trainingsplätzen, einem Hunde-Shop, einer Indoor-Aquatherapie und einer Hundepension. Über Uwe Friedrich und seine Ausbildungsmethoden wird immer wieder in Hundesport-Fachzeitschriften berichtet.

Ausbildung:

Die Ausbildung zum Diabetiker-Warnhund erfolgt individuell und gezielt auf die jeweilige Diabetes des Hundebesitzers. Über die feine Nase kann ein Hund erkennen, ob der Blutzuckerspiegel des Hundehalters bedenklich ist. Das zuvor trainierte Signal wie Bellen oder Anstupsen verrät dem Hundebesitzer, dass er sein lebensnotwendiges Insulin zu sich nehmen muss. Ein Diabetiker-Warnhund registriert sehr feinfühlig Veränderungen beim Hundehalter - etwa über den vom Halter produzierten Schweiß. Eine Unterzuckerung registriert der ausgebildete Hund über den Geruch seines Herrchens oder Frauchens.

Supernasen:

Große Hunde wie Schäferhunde oder Retriever besitzen mit 220 Millionen Riechzellen 40-mal mehr als Menschen. Doch ihr Riechvermögen ist etwa eine Million Mal besser, da die Schleimhaut der Hunde viel verästelter ist. Außerdem sind zehn Prozent ihrer Gehirnrinde mit dem Riechen beschäftigt. Bei Menschen ist es nur ein Prozent. Nicht alle Hunde riechen gleich gut. Je länger ihre Nase, umso besser sind sie in dieser Fähigkeit. (hon)

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